Saul Bellow



FrizzText self-portrait by Frizztext

Book review by Frizztext:
OPTIMISTIC MOOD FRAMED BY DESPAIR – frizztext amazon review [Audiobook, Unabridged] [Audio CD]
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Saul Bellow, 10.7.1915 – 5.4.2005, has earned the Nobel prize for literature really for the precision of his language – and for the optimistic tonic to which he is able to return always again amusingly – in spite of all sporadically desperation:

“Simkin sat in his office under endless rows of juridical books in a big armchair. The person is born to become an orphan and to leave orphans, but an armchair like this armchair is a big consolation if one can afford him.”

This quotation from the novel “HERZOG” has been remembered to me more than 40 years – and, among the rest, has led of course to the fact, that I have procured a nice comfortable ear armchair in the Oxford style for myself. The small passage at the beginning of the novel already rescues in itself the whole message: Not totally despair as it is in vogue in certain intellectual layers over and over again, but enjoy that there are in the life also over and over again small things which give consolation, courage and even joy.

In this case the erotic situations – count to it RAMONA (from Buenos Aires; “she went with quick firmness and clattered with the sales in vigorous, Castilian kind. She entered a space challenging, with light swaggering” …) – and the smaller joys of the everyday life: child poems, music, the visit of a fish business: all this is only because by this method of story telling all those positive childhood-recollections come to life again with all the smells and noises :

Saul Bellow, Miami Book Fair International, 19

Image via Wikipedia

“My mother has spoiled me certainly. Once, at night she has moved me on a sledge about crusty ice and the small glitter of the snow. Near the old grocery we met an old Baba who said: “WHY DO YOU PULL HIM, DAUGHTER?” Mummy, dark rings under the eyes. She breathed hardly. She carried the sharpened lake dog coat. Dry fish hung bundle-wise in the store, a rancid sugar smell, cheese, soap … ”

some book reviews in German from me about Saul Bellow:

for to translate the following German part into English
I’ve added an html-code (only google-machine):
translate good German to bad English

IT ALL ADDS UP

Saul Bellow, der 1976 den Literaturnobelpreis erhielt, war eigentlich zunächst Universitätsdozent für Anthropologie und Soziologie, wandte sich dann aber zunehmend der Literatur zu, weil sie seiner Meinung nach eine sensiblere Erfassung von Wirklichkeit ermöglichte. Die verstaubten Schubladenerklärungen seiner amerikanischen Anthropologen-Kollegen beflügelten seinen Geist weniger als die Schar französischer Schriftsteller und Existentialisten, unter denen er sich während seiner Europareisen lieber aufhielt.

In der Kindheit zunächst eingetunkt in eine recht orthodoxe jüdische Erziehung, mutierte er als Student zum marxistisch gefärbten Gesellschaftskritiker, war dann aber bald der Meinung, “dass Schriftsteller sich nur so weit mit der Politik einlassen sollten, um sich vor ihr schützen” zu können.

Diesen Entwicklungsweg kann gut nachvollziehen, wer sich vertieft in jene Essay-Sammlung “Wie es war, wie es ist” (original: It all adds up. From the dim past to the uncertain future). Im Mittelteil des Sammelwerkes finden sich u. a. viele amüsante Reiseskizzen: PARIS: “Wie Gott in Frankreich: … in Frankreich wäre Gott vollkommen glücklich, weil man ihn dort nicht mit Gebeten … belästigen würde. Umgeben von Ungläubigen könnte auch er sich, wie Tausende von Parisern, abends in seinem Lieblingscafe´ entspannen.”

CHICAGO: “Die Züge, die Chicago verließen, transportierten Dichter wie auch Schweinefleisch und die Stadt versank alsbald in Provinzialismus.” NEW YORK: “In der Nähe von Times Square ist ein Blinder überfallen, sein Blindenhund gestohlen worden, der Mann blutet und weint. Ein Polizist murmelt: So was kann nur in New York passieren.”

LANDLEBEN (Vermont): “Nicholson war gekommen, um mit mir über die Verfilmung eines meiner Romane zu sprechen. Seine lange weiße Limousine konnte nicht zwischen den beiden Torpfosten hindurch in meine Einfahrt einbiegen. Aus einiger Entfernung beobachteten die Nachbarn schweigend, wie der Chauffeur den lang gestreckten Wagen mit der moslemischen Halbmond-Antenne an der Kühlerhaube hin und hersteuerte.”

Das Buch schließt mit zwei sehr ergiebigen Langinterviews, die mit Saul Bellow geführt wurden, und welche sehr viele autobiographische Hintergründe nach oben spülen. Dort bemerkt er u. a.: “Ich gehörte nirgendwo hin. Ich schloss mich keiner Gruppe an. Ich war institutionell mit keinem dieser Leute je verbunden. Ich war die Katze, die ihrer Wege ging.

[“Wie es war, wie es ist. Von der dunklen Vergangenheit in die ungewisse Zukunft” – von Saul Bellow – Kiepenheuer & Witsch 1995 – ISBN: 3462024043] http://www.amazon.de/review/R39XTWKPQTAHWV/ref=cm_cr_dp_perm?ie=UTF8&ASIN=3462024043&nodeID=299956&tag=&linkCode=

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warum erinnert saul bellow den verfasser dieser webseite nur immer an etwas, das katzen zueigen ist? bellows hang zur anonymität ist es, sein leises bescheidenes auftreten. köter sind laut und unvorsichtig, katzen stets mehr in einer hypersensiblen beobachterrolle. saul bellow ist solch ein verhalten auf den leib geschrieben – oder sollte man besser sagen: aus dem leib geschrieben? wie eine handschrift aus der innersten körperlich-seelischen struktur eines menschen entsteht – so auch sicherlich eine große textmenge wie die des roman- und novellenschreibers ebenfalls.

zum thema sexualität formulierte bellow einmal: “sex ohne eros ist nichts anderes als turnen ohne geräte.” frizztext würde das gerne variieren in: “sex ohne eros ist nichts anderes als geräte ohne turnen.” auf jedenfall: katzen sind so charmant, sie turnen ohne probleme auch ohne geräte.

early-morning-cat

katzen, die in pamplona wohnen, (die kennt saul bellow allerdings nicht) wissen, dass es den in den gassen vor den stieren flüchtenden menschen erlaubt ist, mit einer zusammengerollten zeitung nach den andonnernden tonnen-biestern zu schlagen. die degen sind erst abends dran. die beobachtenden katzen von pamplona halten dieses ganze treiben für rundum geisteskrank. saul bemerkt passend zum problem der zeitungsberichterstattung: “… das problem liegt darin, dass das Normale uninteressant ist” (das nicht-übliche aber nicht geschrieben werden darf – zumindest nicht in zeitungen …). in einer pamplona betrachtenden katze herrscht vielleicht das, was saul umschreibt mit: “stillness in the midst of chaos”. insofern sind katzen vielleicht sogar auch künstler, denn saul fährt fort: “art has something to do with the achievment of stillness in the midst of chaos. a stillness which characterizes prayer, too, and the eye of the storm… an arrest of attention in the midst of distraction.”

katzen sind perfekt in der kunst, sich gemütliche orte regelrecht einzuverleiben. fast wäre saul zur katze mutiert [glaubt frizztext], als er simkins sessel erblickte. er notierte: “simkin saß in seinem büro unter endlosen reihen von juristischen büchern in einem großen sessel. der mensch wird geboren, um waise zu werden und waisen zu hinterlassen. aber ein sessel wie dieser sessel ist ein großer trost, wenn man ihn sich leisten kann…”.

katzen sind bequem; am liebsten würden sie wie die prinzessinnen von petersburg in sänften über den schnee getragen werden. von wegen – hat sie weiße stiefel an… saul berichtet von ähnlichen katzenhirn-gefühlen in folgendem fragment: “mutter: mich hat sie bestimmt verwöhnt. einmal, bei anbruch der nacht, hat sie mich auf einem schlitten über krustiges eis und das kleine glitzern des schnees gezogen. in der nähe des lebensmittelladens begegneten wir einer alten baba in einem schal, die sagte: “warum ziehst du ihn, tochter?” mama, dunkle ringe unter den augen. sie trug den abgewetzten seehundsmantel. getrocknete fische hingen bündelweise im laden, ein ranziger zuckergeruch, käse, seife. die glocke auf der drahtspirale tanzte, schellte. “tochter, opfere deine kraft nicht den kindern”. ich stieg nicht vom schlitten herunter.”

der katzen-vergleich ist, glaube ich, nur ein schlechter vergleich, ein hilfsmittel auf dem weg zu einem tieferen verständnis des bellowschen schreibens. in der amerikanischen sekundär-literatur entdeckte ich gerade den buchtitel: “A Room of His Own: In Search of the Feminine in the Novels of Saul Bellow” (Judaic Traditions in Literature, Music, & Art (Paperback)) von Gloria L. Cronin Syracuse University Press (1. Dezember 2000) – da müsste man, argwöhne ich hündisch, noch einmal genauer nachschauen …

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